Basler Fasnacht: Die drei scheenschte Dääg im UNESCO-Weltkulturerbe
Überblick: Die protestantische Fasnacht
Die Basler Fasnacht, lokal auch die drei scheenschte Dääg (die «drei schönsten Tage») genannt, ist die grösste Fasnacht der Schweiz. Sie beginnt am Montag nach Aschermittwoch um 4 Uhr morgens mit dem Morgestraich, dauert exakt 72 Stunden und endet am Donnerstagmorgen um 4 Uhr mit dem Ändstraich. Im Jahre 2017 wurde die Basler Fasnacht in das immaterielle Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen.
Anders als beim rheinischen «jecken» Karneval besteht eine strikte Trennung zwischen Aktiven und Zuschauern. Jeder der rund 18'000 aktiven Fasnächtler trägt ein Kostüm mit einer Larve (Maske), die Gesicht und Körper verdeckt. Die Basler Innenstadt wird in dieser Zeit von den Fasnächtlern mit ihren Cliquen und Guggenmusiken beherrscht.
Geschichte und Termin
Der Begriff Fasnacht leitet sich vom mittelhochdeutschen vastnaht (Fasten-Nacht) ab. Im Gegensatz zur «Herren-» oder «Pfaffenfasnacht» findet die Basler Fasnacht zum «Bauernfasnachtstermin» statt. Die verbreitete Meinung, der abweichende Termin hänge mit dem Wechsel vom julianischen zum gregorianischen Kalender zusammen, ist falsch.
1529 erklärte sich Basel offiziell zur reformierten Stadt und schaffte das Fastengebot ab. Anders als in anderen reformierten Orten konnte die Obrigkeit das Fasnachtsverbot jedoch nicht durchsetzen. So blieb die Basler Fasnacht als einzige «protestantische Fasnacht» der Schweiz erhalten. Teilweise wurde das Verbot unter dem Deckmantel von Zunftessen und zünftigen Waffenmusterungen umgangen, worin der Grund für die teilweise militärischen Anklänge der Basler Fasnachtsbräuche liegt.
Schreibweise und Tradition
Das Basler Fasnachtscomité änderte 1925 die Schreibweise von Fastnacht zu Fasnacht (ohne «t»), was der traditionellen Schweizer Schreibweise entspricht. Der frühestmögliche Termin für den Morgestraich ist der 9. Februar, der spätestmögliche der 15. März.
Höhepunkte und Bräuche
Morgestraich
Der Morgestraich am Montagmorgen um 4 Uhr markiert den Auftakt. Die Innenstadt wird komplett verdunkelt, die Basler Stadtwerke schalten die Strassenbeleuchtung aus. Auf das Kommando «Morgestraich, vorwärts, Marsch» setzen sich die Cliquen in Bewegung. Das einzige Licht kommt von den bis zu 4 Meter hohen Zuglaternen und den Kopflaternen der Aktiven. Diese offene Kleiderordnung wird Charivari genannt. Guggenmusiken sind beim Morgestraich nicht zugelassen.
Cortèges
Am Montag- und Mittwochnachmittag finden die Cortèges (Umzüge) statt. Diese zirkulieren auf zwei festgelegten Routen (innerer und äusserer Ring), wobei jede Clique an einem anderen Ort beginnt. Es gibt keine feste Reihenfolge. Die Wagencliquen präsentieren aufwändig dekorierte Fasnachtswagen zu ihrem jeweiligen Sujet (Thema). Von den Wagen werden traditionell Süssigkeiten, Obst und Blumen (hauptsächlich Mimosen und Rosen) verteilt.
Kinderfasnacht und Guggekonzerte
Der Dienstag steht im Zeichen der Kinder- und Familienfasnacht mit eigenen Umzügen, bei denen vor allem Familien mit ihren Kindern teilnehmen. Am Dienstagabend gehören die Innenstadt und die grossen Plätze den Guggenmusiken, die auf dem Markt- und Barfüsserplatz Konzerte geben. Die Blechbläser spielen dabei absichtlich «schräg», begleitet von Pauken und Schlaginstrumenten.
Laternenausstellung
Von Montagabend bis Mittwochmorgen sind auf dem Münsterplatz rund 200 Laternen der Cliquen ausgestellt. Die teils sarkastischen Verse auf ihnen sind meist im Baseldeutsch verfasst. Parallel findet auf dem Kasernenareal die Ausstellung von Wagen und Requisiten statt.
Schnitzelbänke und Zeedel
Die Schnitzelbänke (Baseldeutsch: «dr Bangg») sind satirische Gesangsauftritte in Cafés und Wirtschaften, bei denen in Baseldeutsch gesungene Texte das vergangene Jahr auf ironische Weise Revue passieren lassen. Die «Zeedel» sind Handzettel mit ironischen Versen, die die Cliquen am Cortège verteilen und das jeweilige Sujet erläutern.
Gässle und Ändstraich
Das «Gässle» beschreibt das freie Durchziehen der Gassen in kleinen Gruppen, insbesondere an den drei Abenden und während des ganzen Dienstags. Der Ändstraich am Donnerstagmorgen um 4 Uhr beendet die Fasnacht, wenn die Cliquen einen letzten Marsch spielen und «Frau Fasnacht» verabschieden.
Organisation und Teilnahme
Seit 1911 wird die Fasnacht vom Fasnachts-Comité organisiert. Das Comité gibt die Fasnachtsplaketten («Blaggedde») heraus, die 2023 in fünf Ausführungen von 10 bis 100 Franken erhältlich waren. Der Reinerlös fliesst an die Fasnachtsgruppen. Zuschauer werden erwartet, eine Plakette zu tragen, um die Finanzierung zu sichern.
Regeln und Verhaltensweise
Das Publikum trägt übliche Strassenkleidung und hat eine passive Rolle. Geschminkte Gesichter oder «lustige» Accessoires sind verpönt. Aktive Fasnächtler dürfen im öffentlichen Raum nicht erkannt werden und werfen «Räppli» (Konfetti) – in Basel aus hygienischen Gründen nur einfarbig erhältlich. Blitzlichtfotografie am Morgestraich ist verpönt, da es durch die schmalen Sehschlitze der Larven blendet. Der übermässige Alkoholkonsum gilt als unangebracht.
Musik und Instrumente
Die Cliquen spielen Märsche auf Piccoloflöten und Basler Trommeln. Die Stadt wird zum grössten Pfeiferkonzert der Welt. Traditionelle Figuren wie die Waggis (alemannische Fastnachtsfiguren) und verschiedene historische oder politische Larven prägen das Bild.
Weiterführende Informationen
Die Basler Fasnacht ist in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingetragen. Die UNESCO würdigt, dass die Fasnacht zum sozialen Zusammenhalt beiträgt, Toleranz durch Sozialkritik fördert und den lokalen Dialekt bewahrt. Weitere Informationen bieten die offizielle Website Basler Fasnacht Online sowie das Altbasel-Dossier.